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Freitag, 1. Februar 2019

Deutsche Heuchelei

Nun bin ich bereits seit über einem halben Jahr wieder in Deutschland und studiere (fleißig) vor mich hin.
Natürlich bin ich weiter mit Israel verbunden und lese viele Nachrichten. Nicht selten rege ich mich dann innerlich über eine einseitige oder teils auch falsche Berichterstattung auf.
Das Land, das ich so schön finde, schafft es meist nur in größere deutsche Medien, wenn etwas (vermeintlich) schlechtes passiert.
Die letzten Tage war Holocaust-Gedenktag, am 27.01.1945 wurden die verbliebenen Insassen aus Auschwitz befreit.
Auf den Golanhöhen mit Blick auf Syrien, in Richtung des 50 km entfernten Damaskus
Doch wenn man dann mit Leuten spricht und Nachrichten liest, muss doch auffallen, wie heuchlerisch wir Deutschen sind!
Am 27. Januar wird von Politikern im ganzen Land an den Holocaust erinnert. 74 Jahre nach der Befreiung Auschwitz verkündet man zurecht einstimmig, so etwas dürfe nie wieder geschehen.
Denn während Politiker in diesem Zusammenhang gewohnheitsmäßig an Deutschlands Staatsräson erinnern, Israel als jüdischen Staat für immer zu unterstützen, nimmt man gleichzeitig sogar US-Sanktionen in Kauf, um einen Staat zu unterstützen, auf den man selber nicht angewiesen ist, der aber mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln Israel zu vernichten droht. Und obwohl der Iran im Moment angeblich keine Atomsprengköpfe entwickelt, heißt das selbstverständlich nicht, dass er sich nicht auf einen Vernichtungskrieg vorbereitet. Iran hat bereits weit entwickelte Mittelstrecken-Raketen und positioniert diese im 100 km von Jerusalem entfernten Damaskus.
Der Iran unterstützt militärisch und finanziell die Terroristen der Hisbollah, der Hamas und hat zusätzlich ja noch seine eigenen, vom religiösen Führer der Republik kommandierten "Revolutionsgardisten" - die auch als Terrorgruppe eingeordnet werden.
Nun hat der Iran nicht nur innerhalb der letzten zwei Wochen erneut von allen diesen Mitteln Gebrauch gemacht: Iranische Präzisionsraketen aus Syrien auf Israel geschossen, Drohungen aus dem Libanon der Hisbollah , wo selbst eine UN-Friedensmission nicht mehr ernst genommen wird und Raketen aus dem Gazastreifen der Hamas.
In Deutschland nimmt man das durchaus wahr. Man denkt aber weiterhin freimütig, man könne mit dem Iran gut Freund sein und durch den Handel mittelständische Unternehmen stärken. Irans Drohungen und Aggression gegen Israel wird schlicht nicht ernst genommen.
Während man sich also feierlich im Bundestag versammelt, um der getöteten Juden zu gedenken, hält man es gleichzeitig für absurd, dass ein Staat Juden ausrotten will. Vielleicht sollte man im viel beschworenen Kampf gegen Antijudaismus einmal hier ansetzen.
Nun wird uns im Geschichtsunterricht immer gesagt, wir sollten aus der Vergangenheit lernen. Hitlers Ankündigungen, die Juden auszurotten, wurden damals nicht ernst genommen. Heute verkünden nicht nur die Terroristen der Hamas und Hisbollah dasselbe Ziel, sondern auch der Iran. Ganz öffentlich und sogar mit Kulturfestival gefeiert. Und ein überraschender Angriff arabischer Nachbarstaaten wäre übrigens ja kein Novum.
Aber was haben wir aus unserer Geschichte oder der Israels gelernt? Nichts. Wir Deutschen halten es weiter nicht für möglich, dass irgendein (religiöser) Führer Juden vernichten will.

Weitere Tagebucheinträge dazu hier und hier.


Bis heute zeugen noch viele Denkmäler u.a. mit Listen unzähliger Verstorbener Israelis vom letzten Krieg mit Syrien nach einem überraschenden Einfall der syrischen Armee auf die Golanhöhen



Auswirkungen vom letzten überraschenden Angriff der arabischen Nachbar-Staaten spürt man bis heute. Noch immer sind viele Gebiete auf dem Golan vermint, um Israels Sicherheit zu gewährleisten. Die Bedrohungen werden im Land anders als in Deutschland ernst genommen.


Samstag, 2. Juni 2018

Schabbat-Eindrücke

"Gelobt seist du, Ewiger, unser G"tt, König der Welt, der du uns geheiligt durch deine Gebote und uns befohlen, das Schababtlicht anzuzünden." - die Frau zündet die Kerzen an und nimmt mit drei kreisenden Bewegungen der Hände über den beiden Kerzen den soeben begonnenen Schabbat in Empfang.







Den letzten Tag der Woche sollen wir ruhen, wie auch Gott nach Erschaffung der Welt geruht hat (Gen 2:2-3). So können wir einen Tag der Woche ausruhen, ein Tag der Versammlung, Gott zu ehren und ihm zu danken. Aber "der Schabbat ist für den Menschen gemacht" (Mk 2:27), wir sollen uns also bei Einhaltung der (ohnehin größtenteils an die Juden gerichteten) Schabbat-Gebote nicht abmühen.

Übrigens, was ich zum Beispiel oft vergesse, vor "am siebten Tag sollst du ruhen" steht da: "sechs Tage sollst du arbeiten" (Ex 20:9)... Der Schabbat ist  von Gott auch besonders gesegnet (Ex 20:11), daher lohnt es sich richtig, ihn einzuhalten.
Nachdem die Kerzen angezündet sind, werden jeden Freitag Abend Söhne, Töchter und die Frauen gesegnet, Lieder gesungen, die Ehefrau gelobt und natürlich das Chalah, das Schabbat-Brot und der Wein gesegnet. In Erinnerung an die Israeliten in der Wüste, die jeden Freitag eine doppelte Portion Mana bekamen, damit sie am Schabbat nicht sammeln mussten, gibt es auch zwei Chalot. Die zu verspeisen ist auch kein Problem, denn das süße Weißbrot mag eigentlich jeder - meine besondere Empfehlung ist Nutella dazu ;)
Gestern feierte ich mit meiner Gemeinde den Schabbat-Anfang und heute chille ich sehr schabbat-mäßig. Die letzten beiden Wochenenden war ich unterwegs; erst mit Mirjam bei einer beduinischen Familie im Norden. Dort haben wir halbherzig wegen des Ramadan gefastet (immer für einige Stunden zwischen den Mahlzeiten ;) ), sind im Dorf umhergefahren, das ausschließlich von dieser einen Großfamilie bewohnt ist, aber 2000 Einwohner hat, waren in einer ehemaligen deutschen Kolonie der Templer (eine geistliche Bewegung aus dem 18. Jhd.) und haben die allgemeine Entspanntheit im israelischen Norden genossen.
Letztes Wochenende dann war ich auf einer Bat Mitzva in Herzliya und danach einer tollen Tour durch die Grabeskirche in Jerusalem mit Frau Dr. Petra Heldt, unter anderem Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, die ihre Begeisterung über die Grabeskirche selbst auf Skeptiker des Rummels dort übertragen kann.
Außerdem gehe ich natürlich auch zur Uni, habe aber nur noch zwei Wochen lang Kurse und freu mich schon auf die letzten Wochen, in denen ich dann nochmal umherreisen kann.





Im Viertel Nachlaot, in Jerusalem ist wohl die schönste Synagoge. Der Name "Gnade und Barmherzigkeit" steht über dem Haupteingang, auf dem die 12 Stämme abgebildet sind und der Nebeneingang zeigt den Text aus Sprüche 31, der jeden Schabbat zum Lob der tüchtigen Frau vorgelesen wird.

Vorbereitungen für eine Geburtstagsfeier für einen der Freiwilligen
im Beit Immanuel auf dem Dach
Außerdem war mein Onkel letzte Woche mit einer Reisegruppe in Jaffa und hat zufällig noch herausgefunden, dass ich es auch bin, so dass wir uns erst dort und dann noch mit Mirjam in Jerusalem treffen konnten. Eine große Freude!



Montag, 23. April 2018

70 Jahre Unabhängigkeit

Letzte Woche wurde endlich 70 Jahre Israel gefeiert. Schon lange war das Datum fett in allen israelischen Kalendern angestrichen. Es sollte ja 70 Stunden lang gefeiert werden, im ganzen Land. In jeder größeren Stadt wurden öffentliche Feiern, Konzerte, Feuerwerke, gemeinsame Tänze, Paraden und Flugshows angekündigt. Am Abend des 18. April war es dann endlich so weit.
Ich war in Tel Aviv geblieben und am Abend, also dem jüdischen Beginn des neuen Tages, mit einigen Leuten über den Rothschild-Boulevard zum Rabin-Platz gelaufen, wo wir ein Feuerwerk erwarteten. Schon auf dem Weg waren überall kurze Filme an Häuserwände projiziert, traditionelle israelische Musik erscholl aus Lautsprechern und von Straßenkünstlern, Verkäufer an kleinen Ständen verkauften allen möglichen Kram mit Israel-Flaggen drauf, überall liefen Kinder mit Sprühdosen herum und lieferten sich ausgelassene Schaum-Schlachten. Die ganze Stadt war entweder auf den Straßen oder feierte private Wohnungs-Parties und so trugen alle zum fröhlichen Lärm einer Stadt und eines Landes bei, das seine Unabhängigkeit feiert.

Montag, 1. Januar 2018

Besuch und Neujahr

Inzwischen ist sogar in Tel Aviv der Winter angekommen. Es regnet viel und ist "nur noch" so 10-15°C... Immer noch wärmer als in Dtl, aber irgendwie wirkt es trotzdem ganz schön kalt!
Ein Freund aus Halle hatte vor etwa zwei Wochen entschieden, über Silvester nach Israel zu kommen. Mit einem spontanen Flug von Halle über Köln und Cluj und endlich nach Tel Aviv kam er letzten Donnerstag an. Ich hab ihm ein bisschen von Tel Aviv gezeigt und in Jerusalem haben wir Arne getroffen, mit dem ich ja letzte Woche noch Heiligabend verbracht habe. Die beiden sind dann, während ich wieder nach Tel Aviv zur Uni gefahren bin, noch ans Tote Meer gefahren. Gestern zu Silvester waren wir dann alle drei in Tel Aviv am Strand und in einer Bar. So war es eine entspannte und coole Nacht.

An der Uni ist es auch gerade spannend, vor allem zwei Kurse zu Traditionen im Judentum und seinen Implikationen für heutige Rechte und Gesetze.




Die Jahreslosung 2018

Dienstag, 26. Dezember 2017

Weihnachten #3

Ich wünsche allen, die das lesen, ein frohes Fest! Ich feier an Weihnachten, dass ein bestimmtes Baby geboren ist, auf das Juden schon hunderte und tausende Jahre gewartet hatten. Es wird Immanuel genannt. Das heißt: "Gott ist mit uns". Gott wird Mensch und in seinem Namen "Jeshua" steckt schon seine Bedeutung: Rettung - nicht nur für Juden, sondern für alle, die ihn annehmen (Joh. 3, 16). Das ist ein Fest wert.
An meinem zweiten Weihnachten in Israel war ich erst am 24.12. noch bis 16 Uhr in der Uni, fuhr dann nach Jerusalem und traf mich mit Arne, den ich letzte Woche noch in Amman getroffen hatte.
Wir haben uns um 21 Uhr in der Anglikanischen Christ Church getroffen, wo es bis etwa 22:30 Uhr viele Weihnachtslieder gab. Die ganze Kirche war voll mit Touristen, Gemeindeleuten und interessierten Israelis, die Weihnachten ja meist nicht kennen und quasi Schaulustige waren. Da gab es ein ständiges Kommen und Gehen. Die Stimmung war aber trotzdem besinnlich und festlich und 22:30 Uhr gab es dann einen Weihnachtsgottesdienst mit anschließendem Abendmahl, das in der Anglikanischen Kirche auch etwas länger dauert. So gegen ein Uhr haben wir uns dann schon ganz frohlockend auf den Weg nach Bethlehem gemacht.


Ursprünglich hatten wir vor, zu laufen, wie wir das auch das letzte Mal gemacht hatten, allerdings hatte es so sehr geregnet, dass wir schon nach einigen Metern völlig durchnässt waren und da wir von kostenlosen Shuttlen gehört hatten, entschieden wir uns für den angenehmeren Weg. Maria und Joseph wären sicher auch froh gewesen... In der Geburtskirche wollten wir dann aber noch auf die Deutsche Gruppe warten, die dem Wetter trotzend noch unterwegs war. So hatten wir einige interessante Erfahrungen mit mehreren katholischen Orden, einer Prozession zur, einem Griechisch Orthodoxen vor  und einem spanisch Katholischen Gottesdienst in der Milchgrotte, in die man in der Kirche hinabsteigen kann. Die Grotte sieht ganz interessant aus, ist aber für mich teilweise eher verstörend ausgeschmückt, nicht zu sprechen von all den Leuten, die den Stein küssen, auf dem Jesus vor 2000 Jahren lag...  Allerdings war es doch schön, die verschiedensten Arten von Christen alle an Heiligabend da versammelt zu sehen (auch wenn jeder seinen eigenen Gottesdienst/Andacht hatte). Und in der Grotte war es so vollgestopft wie sie war angenehm warm im Vergleich zur Kirche.
Dann, etwa um drei, kam die Gruppe der deutschen Protestanten. Es wurden einige Lieder gesungen und dann noch einige Worte gesprochen, die wohl irgendwie bedeutungsvoll klingen sollten, aber eher arm zu all dem Feierlichen der anderen Gruppen schien. Das konnte jedoch die schöne Nacht nicht verderben.

Mit dem Taxi zum Checkpoint, mit dem Bus zur Altstadt in Jerusalem und zu Fuß ins Bett, konnte ich etwa gegen fünf Heiligabend als gelungenes Fest ansehen. Geschenke auspacken war nicht wichtig. Die Geburt Jesu stand dieses Mal wirklich im Vordergrund. Die Weisen brachten ihm Geschenke, denn er ist das größte Geschenk an uns. 




"Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst" - Jesaja 9, 5 (Luth 2017)


Dienstag, 26. Mai 2015

Oasen, Shavuot und Pfingsten

Wieder mal hatten wir einige Tage kein Internet und so schreibe ich jetzt vom letzten Wochenende und den letzten Tagen.
Am Freitag war ich mit einem Volontär aus Petach Tikwa in Ein Avdat. Ein wunderschöner Nationalpark in der Negevwüste.

Samstag, 18. April 2015

Pessach #2

In Herzliya bei Sturm am Strand, doch wo ist der Strand hin??
Wo ist der Alltag hin? Seit Ende März hab ich nur eine Woche komplett durchgearbeitet. Ich hatte Urlaub mit Familie, ein Seminar und über Pessach waren die Hälfte der Residents weg, weswegen wir Volontäre alle nur zwei Tage arbeiten mussten. Die beiden Schichten waren wirklich sehr entspannend ;)

Den Rest der Pessach-Woche war ich mit Mirjam bei ihrer israelischen "Adoptivfamilie". Die kennt sie seit sie hier das erste Mal vor zehn Jahren war und ist mindestens zu allen Familienfesten eingeladen.
Am Meer kommt ein bisschen Gefühl von Heimat auf
Wir waren also zum zweiten Pessach-Fest eingeladen (mehr darüber in 2. Mose 12,1-20) und haben endlich auch gefillte Fisch gegessen. Ein Essen der Armen aus Osteuropa. Wenn man Fisch einfach komplett zerhackt und dann noch mit irgendwelchem Brot oder Gemüse verlängert, reicht ein Fisch für die ganze Familie. Ich fands ganz schmackhaft :D Mit 21 Leuten -davon dem Lärmpegel nach zu urteilen 22 Kinder, durfte ich also auch noch ein ganz säkulares Pessach-Fest miterleben.



Die Eröffnungsfeier in der Synagoge in Yad VaShem
Letzte Woche war ich auch wieder mal in Yad VaShem. Es war dort eine Austellungseröffnung für die 1.500.000 Kinder die im Holocaust umgebracht wurden. Ein par der wenigen Überlebenden waren auch dort und haben erzählt.
Wie auf diesem Blog schon erwähnt, sollte jeder der Israel besucht, auch mindestens einmal nach Yad VaShem.

Die neue Ausstellung für die Kinder im Holocaust



Jeder der wenigen Überlebenden, die kommen konnnten, bekam eine Blume

Donnerstag, 16. April 2015

יום השואה | Jehuda Bacon

יום הזיכרון לשואה ולגבורה

Der Tag der Shoah, der Tag der Katastrophe. Ein Tag im Jahr zum Gedenken an die Ermordeten, die Helden und Märtyrer aus dem Holocaust.
Im ganzen Land werden Zeremonien gehalten, während alle Läden und Unterhaltungsplätze geschlossen haben. Um 10:00 Uhr ertönen im ganzen Land zwei Minuten lang Sirenen und alle Menschen hören auf zu arbeiten, Fußgänger bleiben stehen, Autos fahren rechts ran und die Menschen halten inne, um den 6.000.000 ermordeten Juden zu gedenken.




Gestern war ich bei Jehuda und er erzählte mir kurz aus seiner Zeit mit seinem Vater in Theresienstadt und dann allein in Auschwitz. Seine Mutter und Schwester waren schon deportiert, nach Stutthof. Jehuda gehört zu einer kleinen Gruppe, die ausgewählt wurde, das Internationale Rote Kreuz zu täuschen und zu diesem Zweck sollte er genau sechs Monate am Leben erhalten werden. Kurz vor Ablauf dieser Zeit suchen die Deutschen Freiwillige. Wozu wird nicht verraten. Eine Woche lang überlegt er mit seinem 50 Jahre alten Vater, der durch die Gefangenschaft schon ein Greis ist. Sie entscheiden, dass es besser für Jehuda ist, sich zu melden und eine winzige Chance zu haben als mit dem Vater sicher zu sterben. Aber ob er sich vielleicht für ein "medizinisches" Experiment oder einen deutschen "Scherz" meldet, weiß er nicht. Letztendlich kommt er nach Auschwitz, um zu helfen, Wertgegenstände der Opfer einzusammeln und später die Asche zu zerstreuen.
Ich merke, wie es ihn anstrengt, darüber zu reden, doch er fährt fort und erzählt, von seiner Mutter und Schwester. Die hatten eine große Typhus-Epidemie im KZ überlebt, doch weil sie noch geschwächt waren, wurden sie zusammen mit Sterbens-Kranken in einer Baracke eingesperrt.  Zwei Wochen vor der Befreiung verhungerten sie dort.
Jehuda zeigt mir noch ein kleines Bild von seiner Schwester, das bei ihm über dem Schreibtisch hängt.


"An den Mann, der mir meinen Glauben an die Menschlichkeit wiedergab." von Jehuda Bacon


Montag, 6. April 2015

Der Herr ist auferstanden!





Kurz einige Wörter zum Pessach-Seder: 12 Leute, Juden und Christen, Israel, Schweiz und Deutschland, die Hagada, Erzählungen aus über 5000 Jahren, Wein, (kein) gefilte Fisch, Eier, Matzot, Hilel-Sandwich, Bitterkraut und Salz. Zu Jedem Wort eine Erklärung und ich habe einen Pessach-Roman. Kurz: Ich habe eine Menge über Religionen, Kulturen und Traditionen gelernt und es war ein unvergesslicher Abend.

Ostern in Jerusalem war dann auch absolut besonder. Nach dem Seder am Freitag und einem Chill-Tag am Shabbat bei Mirjam, sind wir beide um 05:00 Uhr in die Grabeskirche zu einem Gottesdienst gegangen (-die haben aber erst heute Ostern, eine Woche später). Auf der einen Seite war ich natürlich sehr müde, aber es war auch wirklich schön und einfach ein einmaliges Erlebnis.
Es war auch nicht ganz unerwartet, aber schon ein wenig befremdlich, als dort Priester verschiedener Kirchen in fremden Sprachen gleichzeitig sangen. Danach sind wir dann um 07:30 Uhr zu einem Oster-Gottesdienst im Gartengrab gegangen. Dort war es das absolute Gegenteil: sehr modern und kaum Liturgie. Letztendlich ist es dieser Satz, der auf der ganzen Welt in verschiedensten Sprachen alle Christen zu Ostern vereint:
"Der Herr ist auferstanden!"
Anschließend gab es im Independence Park, mit einigen Leuten noch einen Brunch und Abends ein Osterfeuer :-)

Montag, 30. März 2015

Palmsonntag

Liebe Leute! Jetzt ist der Frühling entgültig ausgebrochen. Wir haben etwa 20°C und Sonnenschein. Das Seminar in der Wüste ist zwar schon etwas her, doch jetzt habe ich einige Bilder bekommen und lade mal ein par hoch. Es ist einfach unglaublich schön hier!
Am Wochenende war ich wieder mal bei Mirjam. Es ist einfach immer wieder so cool (und vor allem chillig) bei Ihr! Nachdem ich jetzt wieder bouncen war, bin ich voll begeistert von dem Sport. Und das will schon was heißen, bedenkt man, dass mich die meisten eher nicht als absoluten "Sport-Menschen" bezeichnen würden... Wir waren auch wieder auf dem Klazmer-Konzert, was leider gerdade bei Mirjams ersten Mal nicht so gut besucht war. Das ist von der Zuhörer-Anzahl, wie so vieles in Israel recht spontan (aber eben auch entspannt).
Sonntag. Palmsonntag. Hosianna! Einmal im Leben an Palmsonntag nach Jerusalem einziehen? Abgehakt! Das war schon sehr beeindruckend, als tausende Christen aus aller Welt, mit Palmenzweigen und ("Hosianna") singend an uns beiden vorbeigezogen sind!




Die Negev-Wüste, wo die Israeliten 40 Jahre lang gewandert sind, wir aber nur 6 Stunden


Mitten in der Wüste ein Wasserloch zum Abkühlen :D



Die haGoshrim-Freiwilligen mit Tourguide Arthur und Mitarbeiterinnen Claudia und Lydia
Immer noch Wüste? Ja! Nach den stärksten und besten Regenfällen seit 1992 wachsen sogar Tulpen in der Wüste!

In Deutschland ist Passion, hier ist Pessach. Die nächsten Tage wird dann dem Auzug aus Ägypten Gedacht und dazu nur ungesäuerte Lebensmittel gegessen. Also nichts was mit Mehl gemacht wird oder in Kontakt kommt. Dafür gibt es dann extra Sticker auf den Produkten "Koscher für Pessach". Zusammen mit Mirjam bin ich zu einem ßeder eingeladen, das traditionelle Festessen zu Pessach. Von dem typischen Gericht "Gefillte Fisch" werde ich dann nächste Woche berichten.


Sonntag, 1. März 2015

Keine Woche, wie die andere...

Inzwischen gibt es wieder mal was neues von meiner Freiwilligen-WG zu berichten. Wir sind zur Zeit acht Leute. Anna Engel ist neu und insgesamt für vier Wochen hier (jetzt noch knapp zwei). Anna ist 22 und arbeitet hier freiwillig als Physiotherapeutin. Durch sie wird unsere WG belebt ;)
Hanna wird dann eine Woche nach Anna ihre sechs Monate beendet haben und auch wieder nach Deutschland fliegen.
Dadurch merke ich, dass ich schon eine ganze Zeit lang hier bin. Jetzt schon sieben Monate. Langsam wird die Zeit kürzer und ich freu mich auf die restlichen Monate, in denen ich und die anderen Freiwilligen mit den Residents wieder mehr machen können, weil es wärmer ist.

Natürlich sind wir aber nicht völlig untätig. Am Donnerstag war ich mit vier Residents und drei anderen Freiwilligen bei einem Konzert von Sarid Hadad und Eyal Golan. Zwei sehr bekannte israelische Pop-Sänger. Ich finde den Israelischen Pop wirklich cool und vor allem interessanter als den Deutschen. Man kann mit den Texten auch gut hebräisch lernen.



Außerdem war ich diese Woche mit den anderen Freiwilligen aus dem Alyn zu einem Shabat-Essen eingeladen. Chawa die deutsche Krankenschwester ist zum Judentum konvertiert. Sie und ihr Mann haben uns mit in ihre Synagoge genommen und dann ein extrem beeindruckendes israelisches Festessen aufgetischt. Shabat ist zwar jede Woche, aber doch wirklich ein Fest.
Natürlich war alles koscher und sie haben auch die Ruhe (im Sinne der orthodoxen Juden) eingehalten.
Solche Erlebnisse sind wirklich besonders und die kann man auch nicht in jedem anderen Land haben. Deswegen bin ich immer wieder froh und dankbar, dass ich in Israel bin (und nicht wie von mir eigentlich geplant, in Brasilien)!

Samstag Abend nach Ende des Shabat bin ich dann mit Hanna und ihrem Freund (der gerade zu Besuch hier ist) zu einem anderem Event gegangen, dass ich so nur hier erleben kann. Wir waren auf einem Klazmer-Konzert. Ich habe schon in Deutschland gerne Klazmer gehört und im "Bursteins Klazmer Basement" wird diese Musik richtig gelebt. Spontan, Spaß bei der Musik und traditioniel. Es waren ungefähr 20 Zuhörer und über mehr als zwei Stunden verteilt etwa acht Musiker. Gesang, Klavier, Bass, Cajon, Klarinette, Geige, Querflöte und Akkordeon.



Heute hab ich wieder gearbeitet und freu mich aber schon sehr darauf, dass am Donnerstag die liebe Familie kommt. Also wenigstens einige von ihnen :D  Dann ist Purim, das Fest, das die Juden feiern, weil sie wegen Esther nicht ausgelöscht wurden. Dann hab ich eine Woche frei und werde den israelischen Frühling genießen.




Mittwoch, 31. Dezember 2014

Weihnachten in Israel #2

"Herbei, o ihr Gläubigen, fröhlich triumphierend, o kommet, o kommet nach Bethlehem! Sehet das Kindlein, uns zum Heil geboren! O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten den König!"



Weihnachten in der Jerusalemer Altstadt, in der deutschen Erlöserkirche. Hunderte Kerzen erleuchten die alte Kirche und das Vater Unser auf Deutsch, Englisch, Hebräisch und Arabisch. Das allein war schon ein einmaliges Erlebnis, aber dann sind wir ungefähr um 24:00 Uhr mit mehr als 100 Leuten nach Bethlehem los gelaufen. Voran ein Stern, der vielleicht doch etwas zu dick aufgetragen war, was auch nicht besser wurde, als wir ungefähr dreimal das Lied "Stern über Bethlehem" unterwegs gesungen haben. Aber eigentlich kann man zu Weihnachten ja gar  nicht zu viel Kitsch haben. Vielleicht wollte man so den unerwartet unromantischen Weg etwas aufwerten. Bethlehem ist ein Vorort von Jerusalem und hat sich in den letzten 2000 Jahren dann doch mehr verändert, als man vielleicht gedacht hätte...
Aber es war doch schön mitten in der Nacht durch die Stadt zu laufen und Weihnachten so zu be-gehen ;)
In Bethlehem gab es dann auch mehr und mehr Lichter, Girlanden und einen riesigen Weihachtsbaum mit Schwarz-Rot-Grün-Weißen Weihnachtskugeln. Manche meinten darin die palästinensische Fahne wieder zu erkennen... Schade war aber auf jeden Fall, dass auf dem kleinen Weihnachtsmarkt eine riesige Bühne stand, die das Fest zu Propaganda-Zwecken missbraucht hat. Statt eigentlich "All I want for christmas, is you." (Alles, was ich zu Weihnachten will, bist du), wie es in dem Lied von Carla Thomas oder Mariah Carey heißt, stand dort groß: "All I want for christmas, is justice!" (Alles, was ich zu Weihnachten will, ist Gerechtigkeit!" Tausende von Touristen werden so manipuliert- ob es nun gerechtfertigt ist oder nicht. Zu Weihnachten passt das nicht.
In der Geburtskirche angekommen, ging es dann auch nach ein par Liedern und dem gleichermaßen obligatorisch wie unspektakulären Besuch in der Milchgrotte wieder zurück zum Chekpoint. Beim Hinweg gab es da keine Probleme, da man einfach durch einTor raus aus Israel geht. Rein war es dann doch schwieriger. Es war bereits ca. vier Uhr morgens und die palästinensichen Arbeiter müssen jeden Morgen durch den Checkpoint, um zur Arbeit zu kommen. Zum Glück bin ich ein großer Europäer und so konnte ich mich ganz gut in die Schlange rein schieben und drängeln, so wie es erwartet wird. So stand ich nur etwas mehr als 90 Minuten an.
Am Checkpoint haben es einige eiliger als andere...
Ich hatte dann auch noch ein nettes Gespräch mit einem Araber, den ich zwei Sekundne vorher mit aller Kraft zur Seite geschoben hatte :)


An den Weihnachtsfeiertagen haben wir hier in der WG auch noch schön gefeiert, gegessen und gewichtelt. Es war ein sehr schönes Weihnachtsfest und heute werden wir nach Petach Tikva und Silvester feiern.
Euch allen wünsch ich ein frohes, gesegnetes und neues Jahr!

Dienstag, 23. Dezember 2014

Weihnachten in Israel

Heute ist der 23. Dezember, morgen ist Heilig Abend und dann Weihnachten. Bin ich schon in "Weihnachtsstimmung"? Nein. Es gibt hier ja auch nicht so Weihnachten, wie in Deutschland. Die Geburt Jesu wird unter den Juden eher selten gefeiert. Die Messianischen Juden sind eine Minderheit.
Aber umso schöner ist dafür letzten Sonntag der Gottesdienst in der Christ Church in der Altstadt gewesen. Die Predigt war über Jesus Ankunft. Zum ersten Mal an Weihnachten und dann auch die Vorfreude, wenn er wieder kommt.
Ich fand den Weihnachtsmarkt bis auf die 1/2-Meter-Bratwurst eh nie so berauschend und freu mich, deswegen, dass man die Geburt Jesu anscheinend auch ohne zu viel Kitsch feiern kann.
Obwohl ich natürlich schon gerne zu Hause in Rostock wäre und bei dem Familienfest dabei sein würde.
Allerdings freu ich mich dennoch auf Weihnachten, wenn ich mit einer Gruppe aus der deutschen Erlöserkirche nach Bethlehem wandern werde. Das wird sicherlich ein besonderes Weihanchten.
In diesem Sinne euch allen frohe und gesegnete Weihnachten!

Sonntag, 14. Dezember 2014

Hallo liebe Leute!

Letzten Freitag war ich mit Mirjam zu einem Shabbatessen eingeladen. Davor haben wir uns noch in ihrer Hebräischen Gemeinde getroffen. Danach sind wir dann zu der Familie gefahren, wo wir eingeladen waren. Der Abend war wirklich sehr cool. Erstens war es eine recht große Familie, weswegen ich mich natürlich gleich ein bisschen zu Hause gefühlt habe und zweitens war es total cool, die Gebete und Segen -jüdische Traditionen in einer christlichen Familie-  auf Hebräisch mit zu bekommen.
Johannes Gerloff hatte beim Seminar letzte Woche davon gesprochen, dass er viel mit einem Rabbiner diskutiert und geredet hat. Und er lebt ja auch schon lange hier, hat so eine andere Perspektive auf die Bibel und auch auf Israel, womit manche Theologen nichts zu tun haben.
Er hat am Anfang seiner Andacht betont, dass er dabei von drei Dingen ausgeht: 
1. Die Bibl liest sich im Kontext, 
2. Gott unterscheidet. Vom Anfang der Bibel an, zwischen Licht und Finsternis, Wasser und Land, dann auch zwischen Gut und Böse und irgendwann zwischen Israel und allen anderen Völkern.
3. Gott verändert sich nicht, was bedeutet, dass man die Bibel von vorne nach hinten und chronologisch lesen bzw. verstehen muss.
Was er dann in der Andacht gesagt hat und wie mich das beeindruckt hat, könnt ihr zusammen gefasst in meinem letzten Eintrag lesen, aber ich finde es einfach total interessant, dass hier in Israel noch viel mehr auf das Alte Testament Bezug genommen wird. Natürlich von den messianischen Juden, aber eben auch von Familien, die Freitag Abends eine Shabbat-Feier haben und die Segen und Gebete sprechen.
Wir hatten in der Gemeinde, in die ich gehe mal eine Predigtreihe über die jüdischen Feste, warum wir als Christen die auch noch feiern können.
Erst fand ich das sehr komisch, sehr ungewohnt, aber wenn man darüber nachdenkt, warum feiern wir in Deutschland die Feste nicht mehr? Natürlich will Gott keine Opfer mehr von uns und auch der Bund ist ein neuer. Aber Feste, die Gott von seinem Volk zu seinem Gedenken wollte oder bestimmte Umgangsformen und Segen oder Gebete haben doch immer noch Gültigkeit, oder? Gott bleibt doch der Selbe und Jesus hat das alles auch mit gemacht. Warum feiern wir den Shabbat (oder wegen Jesus Auferstehung, den Sonntag) nicht mehr als Familienfest und Ruhetag?
Ihr seht, ein Jahr in Israel wirft auch Fragen auf. Ich habe ja noch ein bisschen Zeit mich damit zu beschäftigen und bin wirklich froh darüber, dass ich diese Möglichkeit habe, einen ganz anderen Blick auf das Alte Testament zu bekommen.

Liebe Grüße zum dritten Advent aus