Mittwoch, 8. Oktober 2014

Abendliche Stromausfälle

Heute habe ich schön auf unserer Terase mit meinem Bruder Stephan geskypt und plötzlich -ich habe es erst wirklich nicht geglaubt, fing es an zu regnen. Es hat jetzt also das erste mal geregnet seit dem ich hier bin. Ich dachte erst, es wären nur ein par Tropfen, aber dann kam doch noch einiges runter. Also bin ich von unserer Terasse runter und wollte ihm die WG zeigen, als plötzlich der Strom ausfiel. Das hab ich noch nie erlebt und es war irgendwie richtig aufregend. Allerdings fiel dann auch das Internet aus, was für das Skypen eher unpraktisch war...

Die anderen hatten gerade das Aberndbrot fertig gemacht und so haben wir heute ein schönes Candle-light-Dinner gehabt ;) Mit Taschenlampe.
Das Licht ging dann aber schon nach fünf Minuten wieder an und die ganze Stimmung war verpufft. Dann ging der Strom zum Glück wieder aus und wir konnten ganz romantisch weiter essen.
Es wurde dann irgendwann schon etwas nervig und so haben wir uns das nächste Mal gefreut als das Licht an ging.
In der ganzen Straße war ein aufatmen zu hören (da gerade Festtage sind, sind hier ziemlich viele Leute, die ziemlich viel Lärm machen).
Und nach zehn Sekunden ein allgemeines "ohh!!" als der Strom erneut weg war.
So ging das dann noch ein par mal und wir haben in den kurzen Strom-Zeiten versucht unser Brot zu toasten- haben es dann aber einfach in der Pfanne über dem Gas-Herd gemacht.
Das war ein sehr lustiger Abend und inzwischen haben wir seit einigen Stunden wieder Strom und Internet und ich hab noch mit meiner Familie geskypt.

Sonntag, 5. Oktober 2014

Jom Kippur

Gestern am Shabbat war Jom Kippur. Der Versöhnungstag der Juden mit Gott. An diesem gibt es keine Busse oder Straßenbahnen und es fahren auch so gut, wie keine Autos (ich hab am ganzen Tag vier gesehen). Zwei andere Volontäre und ich haben also den Tag genutzt mal ein wenig die Straßen von Jerusalem zu besichtigen :D Hier ein par Eindrücke:


Überall waren Familien und Kinder unterwegs

Warten auf den Bus... Die Hoffnung stirbt zu letzt!

Der Botanische Garten in Jerusalem! Da waren wir nicht. Aber jetzt wissen wir wo er ist ;D

Paul und Johanna

Am Jom Kippur soll man in die Stille hören...
Es war auch ganz interessant den Jom Kippur auf der Arbeit mit zu bekommen. Einige Residents haben tatsächlich gefastet, wie es mindestens bei religiösen üblich ist und einige haben auch weiße Kleidung getragen und sind in die Krankenhaus-Synagoge gegangen. Außerdem hat Eitan, der sonst immer Musik hört, an dem Tag darauf verzichtet. Es ist eine eigenartige Stimmung auch in der Stadt gewesen. Alles ruhig, kaum Menschen und erst recht wenige Autos.

Freitag, 3. Oktober 2014

Bußgebete



Letzte Nacht war wohl eine der coolsten meines Lebens.
Ich habe mich mit meiner Cousine um Mitternacht vor der Altstadt getroffen und dann sind wir den Menschenmassen gefolgt.
Heute ist nämlich der Versöhnungstag, Jom Kippur. Während ich das hier schreibe höre ich aus der Synagoge in unserem Krankenhaus Gesänge.
Zur Vorbereitung auf die Versöhnung mit Gott gibt es bestimmte Gebete, die Slichot, die mehrere Tage vorher schon nachts gebetet werden. Am Jom Kippur werden einem dann alle Sünden des vergangenen Jahres erlassen und viele tragen zum Zeichen dafür weiße Kleidung.Wer mehr darüber wissen will kann einen super Artkel von einer super Journalistin lesen: "Antworte uns!"
In der letzten Nacht der Slichot strömen Juden aus ganz Israel nicht nur in die Synagogen, sondern auch zur letzten verbliebenen Mauer des Tempels nach Jerusalem.  Gestern Nacht waren es ca. 20 000 an der Mauer!
Es war so krass, wie aus allen Richtungen Menschen zur Altstadt hin gewandert sind und sich dann zu einem riesigen Strom zusammengefunden haben.
Man wurde nur so geschoben und es war gar nicht leicht, sich nicht aus den Augen zu verlieren (es hat geholfen, dass ich mindestens einen Kopf größer bin als die meisten hier ;D ). Zwischendurch sind wir dann immer wieder an Leuten vorbei gekommen, die Spenden für alles Mögliche gesammelt haben oder alles Mögliche verkaufen wollten.
Was am bemerkenswertesten war, die "Kapparot" (hebr. "Sühnungen"). Dabei wird ein Huhn über dem Kopf im Kreis bewegt und wenn dazu bestimmte Gebete gesprochen werden, werden dir nach diesem Brauch die Sünden vergeben. Das ist also so eine Art Ersatz für die Opfertiere, allerdings konnte ich den biblischen Zusammenhag nicht ganz herstellen...
Gerade in der Zeit der Feste merke ich, dass ich hier doch in einer komplett anderen Kultur bin! Es war richtig cool, so viele mehr oder weniger religiöse Juden zu sehen, die sich nachts treffen und beten.
Um kurz vor 03:00 Uhr sind wir dann zurück gelaufen und die Stadt war immer noch voll. Heute morgen um 07:00 Uhr hab ich dann wieder gearbeitet.