Freitag, 3. Oktober 2014

Bußgebete



Letzte Nacht war wohl eine der coolsten meines Lebens.
Ich habe mich mit meiner Cousine um Mitternacht vor der Altstadt getroffen und dann sind wir den Menschenmassen gefolgt.
Heute ist nämlich der Versöhnungstag, Jom Kippur. Während ich das hier schreibe höre ich aus der Synagoge in unserem Krankenhaus Gesänge.
Zur Vorbereitung auf die Versöhnung mit Gott gibt es bestimmte Gebete, die Slichot, die mehrere Tage vorher schon nachts gebetet werden. Am Jom Kippur werden einem dann alle Sünden des vergangenen Jahres erlassen und viele tragen zum Zeichen dafür weiße Kleidung.Wer mehr darüber wissen will kann einen super Artkel von einer super Journalistin lesen: "Antworte uns!"
In der letzten Nacht der Slichot strömen Juden aus ganz Israel nicht nur in die Synagogen, sondern auch zur letzten verbliebenen Mauer des Tempels nach Jerusalem.  Gestern Nacht waren es ca. 20 000 an der Mauer!
Es war so krass, wie aus allen Richtungen Menschen zur Altstadt hin gewandert sind und sich dann zu einem riesigen Strom zusammengefunden haben.
Man wurde nur so geschoben und es war gar nicht leicht, sich nicht aus den Augen zu verlieren (es hat geholfen, dass ich mindestens einen Kopf größer bin als die meisten hier ;D ). Zwischendurch sind wir dann immer wieder an Leuten vorbei gekommen, die Spenden für alles Mögliche gesammelt haben oder alles Mögliche verkaufen wollten.
Was am bemerkenswertesten war, die "Kapparot" (hebr. "Sühnungen"). Dabei wird ein Huhn über dem Kopf im Kreis bewegt und wenn dazu bestimmte Gebete gesprochen werden, werden dir nach diesem Brauch die Sünden vergeben. Das ist also so eine Art Ersatz für die Opfertiere, allerdings konnte ich den biblischen Zusammenhag nicht ganz herstellen...
Gerade in der Zeit der Feste merke ich, dass ich hier doch in einer komplett anderen Kultur bin! Es war richtig cool, so viele mehr oder weniger religiöse Juden zu sehen, die sich nachts treffen und beten.
Um kurz vor 03:00 Uhr sind wir dann zurück gelaufen und die Stadt war immer noch voll. Heute morgen um 07:00 Uhr hab ich dann wieder gearbeitet.



Dienstag, 30. September 2014

Der Wellen-Reiter


Am Sonntag war ich wieder in Tel Aviv. Mit zwei anderen Volontären haben wir spontan beschlossen, ans Meer zu fahren. allerdings hätten wir vielleicht vorher nach dem Wetter gucken sollen. Das vergisst man hier, denn seit ich hier bin (also zwei Moante!!) hat es nicht einmal geregnet und es war immer schönster Sonnenschein!
Wir sind also morgens los gefahren und der ganze Himmel war eine Wolkenfront. Allerdings wurde es dann Richtung Tel Aviv doch noch etwas besser und wir hatten auf jeden Fall einen schönen Tag am Strand.
Wir waren recht einsam da, denn es war so windig, dass Schwimmen eigentlich verboten war. Leider kannten wir die Zeichen dafür nicht und haben uns frohen Mutes in die Wellen gestürzt.
Nach einiger Zeit wurden wir dann allerdings von der Strandwache raus gerufen. Bei 2m-Wellen und dutzend Surfern war das vielleicht auch vernünftiger.

Außerdem hab ich mit Ezra Fein noch mal geschrieben, den ich gerne noch mal mit einer anderen Volontärin besuchen würde. Er ist ein Holocaust-Überlebender und ich hab ihn auf dem Seminar in Karei Desche kennen gelernt. Er meinte in seiner Antwort wörtlich:
"Shalom Tim und Anne, da ich schon alt und gebrechlich bin, bin ich jeden Tag zu Hause und ihr könnt kommen, wann ihr wollt." Er ist richtig lustig und ich freu mich schon, wenn wir ihn besuchen :D

Mittwoch, 24. September 2014

Lebenszeichen

Der McDonalds am tiefsten Punkt der Erde
Hallo ihr Lieben! Jetzt hab ich einige Zeit nicht geschrieben, weil hier einfach mal kein Internet war. Die Israelis sind da auch -wie in allem- nicht so hektisch.
Auf dem Fahrplan an der Bushaltestelle steht, dass etwa alle 10-15 Minuten ein Bus kommt. Das Krankenhaus bittet uns, die Wände in unserer Wohnung, wenn wir lust haben, weiß zu streichen. Wenn Telefon und Internet nicht gehen, dann probiert man halt erst mal was aus, was ein par Stunden hält... Auf jeden Fall haben wir jetzt wieder dauerhaft Internet :D

Am Wochenende war ich wieder bei meiner Cousine, was echt cool war! Wir sind mit zwei Freunden von ihr ans Tote Meer gefahren und haben den Shabat im Wasser gechillt. Das Jam HaMelach, wie es hier heißt (also das salzige Meer), ist wirklich richtig cool! Es ist so entspannend da zu liegen und quasi schwerelos zu sein. Ich weiß auch erst seit diesem mal, dass ich da am tiefsten Punkt der Erde war. Und natürlich gibt es auch da einen McDonalds. Das fand ich ziemlich lustig.



Danach sind wir dann noch kurz an das Museum und Kloster zum barmherzigen Samariter ran gefahren. Da gibt es echt schöne Mosaike von alten Samariter-Synagogen.
Und es kam dann zufällig die Ziegenherde der Familie eines Mitarbeiters vorbei, mit dem wir gerdae geredet haben. Da hatte ich wirklich das Gefühl im Nahen Osten zu sein. Die Ziegen liefen einfach über die Straße und haben jede Diestel gegessen, die ihnen in den Weg kam. Das war wiklich schön- in der mehr oder weniger einsamen Wüste (außer Straße und Museum gibt es nix) so ein Erlebnis zu haben.


Heute war ich wieder bei Jehuda Bacon. Er wollte mir schon mal ein wenig zeigen, wie ich ihm so im nächsten Jahr im Haushalt helfen kann, aber eigentlich haben wir nur die ganze Zeit über Kunst geredet. Also er hat erzählt und ich hab zugehört.
Dann hab ich versucht, ihm und seiner Frau das Tablet ein wenig näher zu bringen, das sie mal geschenkt bekommen haben. Leider haben sie keine Ahnung, was sie damit anfangen können. Jehuda war froh, dass er heute gelernt hat, wie man es an und sogar wieder aus bekommt. =D
Morgen hab ich frei und werd mal wieder ausschlafen und mit ein par anderen Volontären Eis essen :D